Ein kleiner Einblick in das Standardwerk zur Stottertherapie bei Erwachsenen von Wolfgang Wendlandt

Wolfgang Wendlandt (2009) Stottern im Erwachsenenalter.
Grundlagenwissen und Handlungshilfen für die Therapie und Selbsthilfe. Thieme Verlag Stuttgart

Stottern im Erwachsenenalter

Prof. Dr. Wolfgang Wendlandt, Dipl. Psychologe und ehemals Hochschullehrer für Psychologie, Therapie und Beratung in Berlin, mit Therapiepraxis in Berlin, widmet sein herausragendes berufliches und persönliches Engagement der Therapie des Stotterns mit über 40 Jahren Berufserfahrung. Wer Prof. Wendlandt in Seminaren erlebt hat, wird meine Begeisterung für seine einzigartige Begabung zur Empathie in andere Menschen und zur Akzentuierung seiner Tätigkeit durch spontane und kreative fachlich fundierte Impulse verstehen und teilen. Mir persönlich liegt aufgrund meiner eigenen Ausbildung seine Grundorientierung des Personzentrierten Ansatzes nach Carl R. Rogers, die sein gesamtes Verständnis und den Berufsethos eines Stottertherapeuten prägt.
Den Blick auf das Stottern als Kommunikationsstörung zu werfen, und nicht lediglich das Stottern als „Sprechablaufstörung“ oder „Redeflussstörung“ zu betrachten, das mittels „Sprechübungen“ abtrainiert wird, ist ein maßgeblicher Verdienst Wendlandts, ebenso wie die Person des Stotternden immer wieder in den Mittelpunkt der Betrachtung zu stellen. Wendlandt untersucht im Detail primäre und sekundäre Begleitsymptome des Stotterns, wobei seine Einflüsse als Psychologe mit der Ausrichtung des Personzentrierten Ansatzes an vielen persönlichen Beispielen und Falldarstellungen deutlich werden, die auch Phasen der Therapie im Buch anschaulich illustrieren.
Kapitel 2 thematisiert die Begriffsklärung der Stottertherapie (mit der derzeitigen Vielfalt der Behandlungsansätze), eines Stottertherapeuten und der Selbsthilfe mit der Bedeutung der Eigenarbeit für die Selbstveränderung. Betreffend der Therapieansätze werden seriöse von unseriösen Formen unterschieden sowie die Unterteilung in ambulante und stationäre Einzel-, Intensiv-, Intervall- und Gruppentherapien dargelegt. Ein kritischer Exkurs findet sich zu Heilung und Erfolg (sowie unseriösen Versprechungen), aber auch zu realistischen Hoffungen, die erwachsene Stotternde an eine Therapie stellen mögen. Erfolg in der Stottertherapie langjährig Stotternder zeigt sich auf mehreren Ebenen.
Stottertherapie mit Erwachsenen stellt laut Wendlandt maßgeblich Motivation und Begleitung zur Selbstveränderung des Betroffenen dar. Diesbezügliche Kompetenzen müssen gestärkt und auf- oder ausgebaut werden. Die persönliche Lebensweltorientierung des Betroffenen sowie eine Ressourcenorientierung stellen hierbei immer wieder wichtige Leitlinien dar. Weitere Bereiche sind die Rückfallprophylaxe sowie entsprechende Risikofaktoren, die therapeutische Nachsorge und Rahmenbedingungen sowie flankierende Maßnahmen. „Therapeutische Hausaufgaben“ und „In- Vivo- Training“ sind therapeutisch etablierte Begriffe, die Wolfgang Wendlandts Verdienst aufgrund früherer Werke (2002, 2003) sind. Entsprechend der Verantwortlichkeit eines psychologischen Therapeuten thematisiert Wendlandt ausführlich den Prozess des Therapieendes in seinem Werk. Besonders anregend der Ausflug in „Die Kunst des Scheiterns“ anhand des Improvisationstheaters in der Therapie (S. 166 ff). Arbeitsbögen am Ende des Buches runden das Werk ab.
Ich schließe mit aufrichtigem Respekt vor einem großen Therapeuten und einer gelungenen und fachlich fundierten Anregung durch sein Grundlagenwerk zum Stottern im Erwachsenenalter.

Anja Mannhard, Lörrach & Freiburg i.Br.